Stierkampf in Portugal (Corrida de touros nordport. Corrida de toiros)

 

Für schnelle Leser:

·        Beim Portugiesischen Stierkampf sitzt der Matador am Pferd

·        Die Pferde werden lange und gründlich ausgebildet     .

·        Der Stier wird in der Arena nicht getötet.

Der portugiesische Stil des Stierkampfs unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom spanischen oder französischen Stierkampf.

Der erste Teil eines portugiesischen Stierkampfes wird der Cavaleiro genannt. Dabei werden von einem Reiter vom Pferd aus dem Stier Pfeile mit Widerhaken (bandarilhas) im Schulterbereich gesetzt. Beim portugiesischen Stierkampf werden nur Hengste geritten, weil sie aggressiver sind. Dem Pferd werden weder die Augen noch die Ohren verbunden. Der Reiter ist auf die Reaktion seines Pferdes angewiesen, um sich auf den Stier konzentrieren zu können. Jeder Cavaleiro hat mindestens fünf Pferde mit, die je nach körperlichen und charakterlichen Stärken in den verschiedene Phasen des Kampfes eingesetzt werden. Zuerst macht das schnellste Pferd den Stier müde, ganz zum Schluss ist der erfahrenste und ruhigste Hengst an der Reihe, denn er muss den Reiter besonders nahe an den Stier bringen.

Ich hatte die Ehre beim Training von einigen Pferden dabei sein zu dürfen und der Trainer, der Mann der bekannten Cavaleira Ana Batista, erklärte mir, dass es mindestens vier Jahre dauert bis ein Pferd bereit ist um bei einem Stierkampf mitzufahren, sein bestes Pferd ist ein 20 Jähriger Schimmel, den er wie er sagte, nicht um alles Geld der Welt verkaufen würde.

Auch im Gespräch mit einem anderen Stierkämpfer habe ich bemerkt, dass ihm viel an seinen Tieren liegt. Er hat mir die Geschichte von einem seiner Hengste erzählt. Er ist mit seinem Team und seinen Pferden auf einen großen Stierkampf gefahren der aber kurz vor Beginn abgesagt wurde. Als sie mit den Pferden wieder nach Hause fahren wollten wurde sein bester Hengst wild. Nur mit Mühe konnte er ihn davon abhalten in die Arena zu rennen. Als sie es endlich geschafft hatten ihn in den Anhänger zu buchsieren, fing er an diesen zu zerlegen. Er musste vom Tierarzt sediert werden, sonst hätte er den Pferdeanhänger in Stücke gehauen.

Natürlich gibt es auch Stierkämpfer die nicht auf ihre Pferde achten und sie kaum ausgebildet und zu wenig trainiert in die Arena schicken. Das gleiche Phänomen findet man auch immer wieder im Pferdesport. Meistens sieht man schlechtes Verhalten von Seite des Reiters in den unteren Mittelklassen, so auch beim Stierkampf. Die wenigen Spitzenreiter behandeln ihr Pferd sehr gut, weil es im entscheidenden Moment seinen Besitzer im Stich lassen könnte und das ist in der Arena Tödlich.

Im zweiten Teil, der Pega, tritt eine Gruppe von acht Männern, die so genannten Forcados, ohne Waffe oder Verteidigungsmittel direkt gegen den Stier an. Sie stellen sich in einer Reihe hintereinander gegenüber dem Stier auf und der vorderste Mann reizt den Stier mit Rufen und provozierenden Bewegungen. Er springt dann dem anstürmenden Stier auf den Kopf, genannt pega de cara oder pega de caras (im Gesicht fangen), um ihn sinngemäß bei den Hörnern zu packen. Genau genommen hält er sich aber am Hals des Tieres fest. Sechs andere Mitglieder einer Gruppe packen den stürmenden Stier ebenfalls am Kopf und ein weiterer am Schwanz, um ihn zum Stehen zu bringen. Obwohl bei dieser Art des Stierkampfes die Hörner des Stieres oft abgeschliffen oder gepolstert werden, kommt es mitunter zu schweren Verletzungen der Forcados. Die Forcados stammen bis heute aus den unteren Gesellschaftsschichten und treten häufig als Amateure auf.

Der Stier wird nach dem Stierkampf je nach Verletzungsgrad entweder am Leben gelassen und zur Zucht benutzt oder von einem professionellen Fleischer außerhalb der Arena getötet und zerlegt.

 

Argumente gegen den Stierkampf

Dieser Artikel bezieht sich vor allem auf die Stierkämpfe in Spanien, auf die portugiesische Tradition wird kaum eingegangen.

Es werden drei Argumente gegen den Stierkampf ins Feld geführt: Tierquälerei an den Stieren, an den Picador-Pferden und Risiken für die Zuschauer.

Stierkampfgegner betrachten diesen als eine unnötige, grausame und archaische Tierquälerei. Diese beginne bereits vor der Corrida, wenn die Stiere in Spanien tagelang im Dunkeln eingesperrt und ihnen die Hörner abgeschliffen werden (Afeitado). Der Einschluss in die Arena und die permanenten Reizungen der seitlich verschanzten Picadores blockieren den natürlichen Fluchttrieb des Tieres. Wenn der Stier am Boden liegt, werden ihm als Trophäe Schwanz und Ohren abgeschnitten, ohne dass sein Tod zuverlässig festgestellt wurde.

Kritisiert wird weiterhin das Leiden der im spanischen Stierkampf eingesetzten Picador-Pferde, denen oft Augen und Ohren verbunden werden, um ihren natürlichen Fluchtinstinkt zu verhindern. Trotz Schutzpolsterung kommt es bei ihnen immer noch häufig zu Todesfällen oder schweren Verletzungen, darunter tiefen Fleischwunden und Rippenbrüchen. Ernest Hemingway war der Meinung, dass die Schutzpolsterung unsinnig sei. Ihr einziger Zweck bestehe darin, Stierkampfkritiker zu besänftigen, in Wahrheit führe sie allerdings zu weit komplizierteren Verletzungen beim Pferd, da z.B. durch die Hörner des Stieres verursachte Wunden einfacher zu behandeln wären als die nun häufigeren Zerquetschungen und Trümmerbrüche.

Argumente für den Stierkampf

Es werden vier Argumente für den Stierkampf ins Feld geführt: das Argument Tierquälerei treffe nicht zu, Stierkampf sei eine Kunstform und sichere den Fortbestand der Rasse der Kampfstiere sowie den der ökologisch wertvollen Dehesas.

Stierkampfbefürworter entgegnen dem Vorwurf der Tierquälerei, dass Kampfstiere nur eine kurze Zeit in der Arena litten, wogegen sie ihr ganzes Leben artgerecht im Freiland verbrächten - was für die meisten Zuchttiere (seien es Kühe, Schweine oder Hühner) nicht zutrifft. Eine Studie aus dem Jahr 2007 weist zudem darauf hin, dass die Schmerzwahrnehmung der Stiere in der Arena durch die Ausschüttung hoher Mengen von beta-Endorphinen stark eingeschränkt ist.

Der Kampf wird als eine Kunstform bezeichnet. Dabei würden die Zuschauer sich nicht an Quälerei ergötzen, sondern im Gegenteil die Akteure mit Pfiffen bestrafen, wenn das Tier aus ihrer Sicht unnötig verletzt und nicht im entsprechenden Moment schnell getötet werde.

Weiter wird von den Stierkampf-Befürwortern angeführt, dass ohne die Corrida die Rasse der Kampfstiere ausstürbe und auch ein Großteil der ökologisch wertvollen Dehesas verschwände, auf denen die Tiere gehalten werden.

Quelle www.wikipedia.org überarbeitet von Agnes Pamer

Fotos von http://quintadopinheiromanso.weebly.com/ Miguel Duarte ehemaliger Stierkämpfer