September 2010:

 

Meine Freundin, Helga Auerbach schlug vor, dass ich zwei Monate auf der Quinta do Escaroupim arbeiten könnte und ich war von der Idee begeistert. Also packte ich meine sieben Zwetschken zusammen und saß, zwei Wochen nachdem ich ihre Email bekommen hatte, im Flieger nach Portugal.

 

Gonzalo, der einzige Bereiter im Stall hatte mit den 12 Pferden die er jeden Tag bewegen sollte alle Hände voll zu tun. Er war froh, dass ihm jemand (ich) die Tiere geputzt und gesattelt brachte und nach der Arbeit wieder abnahm.

 

Dort bekam ich einen sechs Jahre alten Hengst vor die Nase gesetzt, der gerade einmal ein halbes Jahr zuvor angeritten wurde um mit ihm zu arbeiten –Aladino.

Ich fing mit Bodenarbeit an um ihn kennen zu lernen. Bald schon ritt ich ihn am Platz und war begeistert. Ich musste praktisch nur daran denken und er reagierte.

Nach ein paar Wochen überredete ich Gonzalo, dass er mit mir Ausreiten geht. Als wir so durchs Gelände trabten fing Gonzalo an zu grinsen und galoppiert an. Ich natürlich hinterher.

Nach ein paar Metern drehte er sich kurz um, grinste diabolisch und gab seinem Pferd die Sporen. Nach einer Schrecksekunde dachte ich nur „Nicht mit mir“ und ließ die Zügel locker.

Aladino und ich schossen hinter dem Macho her, überholten ihn und ließen ihn weit hinter uns. Am Ende des Weges parierte ich ihn nur durch meinen Sitz zum Halten durch.

 

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In diesem Moment als wir den Weg entlang flogen stand die Zeit still und ich wusste mit absoluter Sicherheit, dass Aladino und ich zusammen gehören.

Es war absolut, es war Liebe.

 

Ich bin normalerweise ein praktisch veranlagter, logisch denkender Mensch, aber ich wusste ich muss Aladino kaufen.

 

Es dauerte, bis ich das nötige Geld zusammen hatte. Da geschah es, ein Stierkampfreiter enteckte Aladino und erkannte sein Potential. Ohne mich zu informieren (ich hatte schon Kaufabsichten geäußert) wurde er zur Probe in den Stall des Mannes gestellt und er fing an ihn zu trainieren. Über meine Freundin Helga erfuhr ich davon. Wir alle waren ziemlich aus dem Häuschen, aber es half nichts, Aladino sollte an einem schönen Wochenende zu seinem ersten Kampf antereten. Da geschah etwas, das ich nur als Wunder bezeichnen kann. Obwohl es an diesem Tag eigentlich warm und sonnig sein sollte ging in der Gegend, wo die Arena stand ein so heftiger Platzregen runter, dass der Kampf abgesagt werden musste. Gleich am Montag rief ich Aladinos Besitzer Paulo an und erklärte ihm, dass ich Aladino auf jeden Fall kaufen möchte und er war einverstanden. Eine Woche bevor ich nach Portugal flog um den Kaufvertrag zu unterzeichnen kamen einige Leute in den Stall, auf der Suche nach einem Pferd. Als der Bereiter Aladino vorstellen wollte kam es anders als er es sich gedacht hatte. Aladino machte einfach nicht mehr mit und zeigte sich von seiner schlechtesten Seite, er ließ sich nicht reiten und gebärdete sich wie ein Wilder. Der Bereiter wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Aladino eigentlich schon verkauft ist, aber manchmal sind Pferde einfach schlauer als Menschen.

Als ich auf der Quinta ankam wuselte ich natürlich sofort zu den Ställen. In der Stallgasse rief ich nur "Aladino" und ein Pferd steckte den Kopf heraus. Er erkannt mich auf Anhieb und wir machten unser gewohntes Begrüßungsritual. Er riss das Maul auf und hielt es mir vors Gesicht und ich musste seine Zahnleiste, wo sich gerade die Hengstzähne herausschoben massieren, wie bei einem Kind, das gerade zahnt. Dass ich damit den Bereiter in Panik versetzte erkannte ich erst als er fluchend in meine Richtung sprintet. Es dauerte eine ganze Weile bis ich ihm erklärt hatte, dass Aladino mich nicht angegriffen hat sondern eine Geste des Vertrauen gezeigt hat. Für mich war dieses Verhalten ein eindeutiger Beweis, dass Aladino mich nicht vergessen hatte obwohl wir uns ein ganzes Jahr nicht gesehen hatten.

Leider musste ich Aladino nachdem ich ihn gekauft hatte noch in Portugal stehen lassen, weil in Oberösterreich fast kein Einstellbetrieb einen Hengst nimmt, außer als reines Boxenpferd und das wollte ich ihm nicht antun.

Er kam im November 2011 nach Österreich, nachdem wir einen netten Betrieb gefunden hatten. Die Firma Horseservice kam mit ihm um Mitternacht an. Der arme Aladino wollte zuerst nicht aussteigen, denn draußen hatte es um die null Grad, in Portugal war es zu dem Zeitpunkt noch so warm, dass man im T-Shirt draußen sitzten konnte. Natürlich waren wir ausgerüstet und deckten ihn sofort ein. Schon eine Woche nach seiner Ankunft machten wir unseren ersten gemeinsamen Ausritt.

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Und dann endlich im Herbst 2012 konnten wir ihn auf unseren noch halbfertig restaurierten  Hof übersiedeln, wo er seine große Weide erstmal gründlich umgestaltete.

Ich überlegte lange, ob es nicht doch besser wäre ihn kastrieren zu lassen, aber ich entschied mich, dass das noch Zeit hat und ließ ihn 2013 von der VPPÖ kören.

 

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Der August 2015 brachte eine große Veränderung für unsere Pferde. Meine Connemarastute, Maisie wurde im Winter krank und Veith, der Fjordwallach meiner Mutter war ihr zu anstrengend. Er trieb sie jeden Tag aus der Weidehütte und sie musste am Abend mit Strick und viel überreden wieder in den Stall gebracht werden. Auf anraten unseres Tierarzt stellten wir Aladino und Veith zusammen auf eine gemeinsame Koppel. Eine ganze Woche hielten wir abwechselnd Wache wenn die Zwei zusammen standen um Verletzungen zu verhindern. Es war nicht wirklich notwendig. Bis auf ein paar kleinen Kratzer, durch zu grobes Spielen, passierte nichts. Seitdem sind die beiden dicke Freunde. Wenn ich jetzt Aladino zum arbeiten raushole wartet Veith am Zaun bis wir fertig sind. Ich bin froh, dass Aladino jetzt ein wirklich pferdgerechtes Leben führen kann und Veith geht es durch den Spielkameraden auch besser. Maisie geht es auch wieder besser. Damit sie nicht ganz alleine ist haben wir nach einem Esel gesucht, der ihr Gesellschaft leisten sollte. Beim Guprecht haben wir eine entzückende, achtjährige Stute entdeckt und sie Esmeralda getauft. Sie hat sich sehr schnell bei uns eingelebt.

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Im Frühjahr 2016 bekam ich die Change Aladino vom ÖZP Kören zu lassen. Der erste Lusitano der vom ÖZP aufgenommen wurde. Ich bin sehr stolz auf ihn. Der Tierarzt hat mir während des Vetchecks sogar gratuliert, Aladino war wohl einer der bravsten Hengste während der Körung.

 

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